Die besten Social Media Kampagnen aller Zeiten: Teil 1
Veröffentlicht von Nils Göldner um 13:37
Ob man nun wollte oder nicht, an dieser Meldung kam wohl niemand vorbei, der über eine halbwegs funktionierende Verbindung zur Außenwelt verfügt: „Lady Gaga ist offiziell die beliebteste (lebende!) Person im Social Web.“ Zunächst einmal Glückwunsch an Frau Gaga und ihr PR und Marketing-Team, sie haben wirklich ganze Arbeit geleistet!
Spätestens jetzt sollte wohl auch der letzte Refraktär erkannt haben, dass das Marketing der Zukunft nicht mehr in „Werbekontakten“, sondern in „Fans“ und „Followers“ rechnet. Die kommen allerdings nicht von allein, sondern sind immer das Produkt harter Arbeit. Aus diesem Anlass heraus haben wir uns deshalb dazu entschlossen, die besten Social Media Kampagnen der letzten Jahre an dieser Stelle einmal besonders zu würdigen:
Die amerikanische Schmalzkringel-Manufaktur ist aktuell einer der ganz Großen im Social Web. 2009 glänzte sie mit zwei äußerst gut gemachten Kampagnen: „Dunkin‘ Run“ und „Keep it Coolatta“.
Bei ersterer Aktion handelt es sich um eine eigens kreierte Website, auf der sich Dunkin‘-Fans registrieren und mit gleichgesinnten Freunden in Kontakt treten können. Im Falle einer akuten Cholesterin- und Zucker-Unterversorung kann man so schnell online oder per iPhone App eine Nachricht an Kollegen, Freunde oder Kommilitonen schicken und fragen, ob sonst noch jemandem der Sinn nach süßem Backwerk steht. Donut-Liebhaber können somit nicht nur mit Freunden in Kontakt bleiben, sie machen aus der Kaffeepause auch noch ein regelrechtes Event und boosten nebenbei Dunkin’s Umsätze – wenn das mal keine „Win-win-Situation“ ist! Aber es kommt noch besser: Die Bäckermeister aus Massachusetts haben noch einen draufgelegt und die Aktion „Keep it Coolatta“ ins Leben gerufen. Im Zuge dieser Facebook-Kampagne wurden Fans dazu aufgerufen, ein neues Profilfoto von sich zusammen mit einem „Coolatta“-Eiskaffee-Becher hochzuladen, und die Caption „#CoolattaGiveaway“ hinzuzufügen. Dunkin‘ veranstaltete im Anschluss daran eine Tombola, bei der die so identifizierten „Coolatta“-Trinker täglich Preise gewinnen konnten, wie etwa Getränkegutscheine, einen Flachbildfernseher oder ein iPhone. Auch hier muss man wieder neidlos anerkennen: Dunkin‘ hat alles richtig gemacht und ein dröge anmutendes Gewinnspiel in eine brillant konzipierte, virale Kampagne verwandelt. Thumbs up!
Die meisten von uns sind wohl schon über eines der zahlreichen Youtube-Videos dieses Küchengeräteherstellers gestolpert. „Will it blend?“ ist hierbei die Frage, um die sich alles dreht und für deren Erforschung so manch iPhone schon sein Leben lassen musste. Was als kleine, witzig gemachte virale Kampagne anfing, ist schnell zu einem gewaltigen Hype angewachsen – allein das erste „iPhone-im-Mixer-Video“ wurde mittlerweile mehr als 8 Mio. Mal angesehen. Äußerst rekordverdächtig, aber es geht noch weiter: Blendtec ruft auch immer wieder seine Fanbase dazu auf, Vorschläge für neue „Experimente“ zu bringen (danke noch mal an alle, die für die Vuvuzela gestimmt haben!) sowie eigene, selbst gedrehte Videos aus dem Heimlabor hochzuladen. Der Hype um die Mixer-Videos ist nach wie vor ungebremst, zumal Blendtec die Qualität der Videos nicht nur konstant hochhält (legendär: das „iPhone 4 – Video“), sondern auch eine rege Kommunikation zu ihren Fans pflegt. Ein wahrhaft gelungenes Projekt, das zeigt, dass auch kleine unbekannte Unternehmen, die auf den ersten Blick „langweilige“ Produkte vertreiben, enorm von Social Media profitieren können. Ein klares „Like“!
Großartige Social Media Kampagnen müssen nicht notwendigerweise aus den USA kommen, auch in europäischen Gefilden ist man durchaus in der Lage etwas dergleichen auf die Beine zu stellen. Ein Beispiel für solch eine gelungene Aktion ist die „Erdmännchen“-Kampagne von „Comparethemarket.com“, eine Suchmaschine für Autoversicherungen aus dem Vereinigten Königreich. Hauptakteur dieser Kampagne war die russische Meerkatze „Aleksander Orlov“, die zunächst vor allem im TV in Erscheinung trat. Hier beschwerte er sich in mehreren Spots darüber, dass zunehmend mehr Leute auf der Suche nach comparethemarket.com (dt. vergleichedenmarkt.com) fälschlicherweise auf „seine“ Seite comparethemeerkat.com (dt. vergleichdieMeerkatze.com) gelangen, und dort nach billigen KFZ-Versicherungen suchen. Um diesem Treiben ein Ende zu setzen, hat er sich deshalb nun dazu entschlossen, diesen Irrtum aufzuklären: Wer Meerkatzen sucht, gehe bitte zu comparethemeerkat.com, und wer eine günstige Versicherung braucht, der möge bitte comparethemarket.com aufsuchen! Der Spot für sich genommen, ist allein deshalb genial, da Aleksander, die Meerkatze aufgrund seines possierlichen Aussehens und seines lustigen Akzents schon einen enormen Sympathiewert aufweist. Aber auch der eingängige Jingle, sowie der Neologismus „Simples“ hielten in Windeseile Einzug in den britischen Alltag. Das war allerdings noch längst nicht alles! Neben der äußerst putzigen „Schwesterseite“ comparethemeerkat, rief man auch eine eigene Facebook-Seite und ein Twitter-Account ins Leben, von dem aus Aleksander die Welt an seinem Alltag teilhaben lies und über aktuelle Ereignisse auf comparethemeerkat.com informierte. Innerhalb kürzester Zeit hatte er über 10.000 Follower und mehr als 300.000 Fans angesammelt – ganz schön stattlich für so ein kleines Äffchen. Viele dieser Fans waren sogar dermaßen begeistert, dass sie selbst anfingen, Bilder mit Aleksander zu verbreiten, z. B. in Gesellschaft von Stephen Fry, als dieser in einem Aufzug festsaß.
Zwar dürfte die Kampagne nicht ganz billig gewesen sein, man darf allerdings glauben, dass sie sich durchaus gelohnt hat. Laut comparethemarket.com wurde bereits drei Tage nach Kampagnenstart das Monatsziel für Kundenanfragen erreicht. Darüber hinaus konnte man ein Gesamtwachstum eingegangener Anfragen von 45% verbuchen, 90% mehr als in der Vergleichsperiode im Vorjahr. Прекрасно, Александр!