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Krieg der Marken: “Granini vs. Walther’s” – Wer ist hier der Saftladen?

Krieg der Marken: “Granini vs. Walther’s” – Wer ist hier der Saftladen?

Im  zweiten Teil aus unserer Reihe „Krieg der Marken“ stehen sich heute der Großentsafter „Granini“ und die “Familienkelterei Walther’s“ gegenüber.

1964 gegründet (also 37 Jahre später als Walther’s – die gibt’s schon seit 1927), ist Granini-Eckes heute einer der größten Safthersteller Deutschlands, der u.a. auch Marken wie „Fruchttiger“ und „Hohes C“ im Programm hat.

So gut wie jeder kennt eigentlich die typischen Noppenflaschen mit dem knallroten Deckel aus dem Supermarkt, und die meisten werden wohl auch schon einmal davon probiert haben: Granini steht für „natürliche Erfrischung“ und „exotische Frucht-Verwöhnung“ (man lasse sich einmal diese Wortschöpfung auf der Zunge zergehen!). Modern, sexy und ganz „Wellness“, so  sehen sich die Kollegen aus Rheinhessen am liebsten.

Walther’s dagegen setzt bei seiner Positionierung etwas mehr auf Bodenständigkeit und Heimatromantik: Anstatt trendiger Tropik-Säfte, werden dort vor allem Erzeugnisse aus heimischem Anbau produziert. Neben Evergreens wie „Apfel“ und „Orange“ werden nun  zunehmend auch ausgefallenere Zutaten verwendet, z. B. „Aroniabeeren“ (eine Beere, die zur Gattung der Rosengewächse gehört und der eine besonders heilende Wirkung nachgesagt wird – danke Wikipedia!). Auch hier macht die „Ver-wellnessung“ wohl nicht Halt.

Exotik oder doch lieber Erzeugnisse aus heimischen Gefilden – das ist wohl wieder einmal dem Geschmack des Einzelnen überlassen. Wie aber schlagen sich die beiden in der Arena des Social Webs?

Hier stellt sich zunächst einmal die Frage, wie man Kunden für ein Produkt begeistern kann, das viele von uns im Vorbeigehen kaufen. Da muss man schon etwas tiefer in die Markting-Trickkiste greifen!

Geht man auf Graninis Webseite, wird einem schnell klar, dass man hier wohl nicht unbedingt einen Preis für „Kreativität“ gewinnen wollte: Die Online-Präsenz des Getränkeherstellers präsentiert sich zwar bunt und fröhlich,  sowohl das Template, als auch die dort befindlichen Bilder sind allerdings so gähnend langweilig, dass man schon automatisch  schnell wegklicken will. Zwar wurden hier im Ansatz ein paar gute Ideen entwickelt, wie etwa der „Cocktail-Creator“ oder das „Fruchthoroskop“, jedoch sind diese in ihrer Umsetzung sehr lieblos bzw. sehr viel weniger professionell, als man  das von einem führenden Fruchtsafthersteller erwarten darf. Schade.

Graninis Webseite: die tropik-gelbe Langeweile

Im Web 2.0 sieht es da zum Glück schon etwas besser aus: So gibt es auf Facebook zwei Seiten, die sich mit Granini beschäftigen, eine englischsprachige Fanpage (ob Granini hier allerdings offizieller Autor ist, kommt nicht klar heraus) und eine, die der Aktion “Granini  Young Talents” gewidmet ist (ein Förderprogramm für junge Barkeeper). Zwar ist vor allem letztere Idee ein guter Ansatz, jedoch bleibt Granini mit dieser relativ speziellen Aktion weit hinter seinen Möglichkeiten. Da geht auf jeden Fall noch mehr!

Walther’s geht in diesem Bereich allerdings mit ordentlichem Schritt voran. Man erkennt dort sofort die Liebe zum Detail: Neben einer offiziellen Unternehmenswebseite gibt es einen eigenen Webshop (beim einzelhandelsorientierten Granini nicht) und sogar einen ziemlich guten Blog, „Das Saftblog“. Dieser ist mittlerweile schon im vierten Jahr und wird von der Inhaberin Kirstin Walther höchstpersönlich geführt. Hier werden Themen rund um den süßen Fruchtextrakt behandelt, Kundenanfragen beantwortet und Rezepte gepostet. Dass Frau Walther sich allerdings nicht nur mit Saft hervorragend auskennt, merkt man spätestens, wenn man ihr Twitter-Profil besucht hat. Dort zwitschert sie fröhlich – und das mehrmals täglich! – unter dem Pseudonym „Safttante“ über ihre Produkte, aber auch Themen wie Fotografie und ihre Heimatstadt Dresden kommen zur Sprache. Sie reagiert auf Kundenanfragen, gibt Auskunft über den Geschmack oben genannter “Aronia-Beere” (wohl sehr intensiv), erzählt wie ihr Tag so gelaufen ist (wohl ganz gut) und hält ihre “Gefolge” über den Gesundheitszustand ihres Hundes auf dem Laufenden (hat Arthrose).

Kirstin Walthers Twitter-Account: hübsches Layout und top-aktueller Inhalt aus erster Hand

2.380 Follower hat sie momentan, das ist schon ganz schön ordentlich, wenn auch nicht verwunderlich: Sie gibt ihren Zuhörern das Gefühl, mehr zu sein als “nur” Kunden. Sie sind ihre Freunde, die sie via Micro-Blog an ihrem Leben teilhaben lässt. Die soziale Bindung zwischen Kirstin und ihren Followern ist mittlerweile sogar so stark, dass das Thema “Saft” fast schon ins Hintertreffen gerät. Man folgt Kirstin Walther nicht mehr, um mehr über Saft zu erfahren, mann folgt ihr, um mehr über Kirstin zu erfahren.
Aber auch Facebook wird von ihr fleißig genutzt. Zwar kann die Zahl der 340 “Saftfreunde” durchaus noch gesteigert werden, aber ist die Seite ist in jedem Fall professionell gestaltet, gepflegt und immer aktuell. Es vergeht eigentlich kaum ein Tag, an dem keine “Saft-News” gepostet werden. Auch das Saftblog und der Youtube-Account unserer Safttante sind gut erkennbar verlinkt. Letzterer ist auf jeden Fall einen Besuch wert: Dort findet man nicht nur liebevoll gedrehte Amateur-Filmchen à la “Wie kommt der Saft in den Karton?” sondern auch eine Sammlung von Fernsehbeiträgen über das Familienunternehmen. Eine rundum stimmige Angelegenheit.

Walther’s ist hier mit einfachsten Mitteln gelungen, was Granini mit einer durchgestylten Webpräsenz und einem überbezahlten Marketing-Stab nicht mal ansatzweise hinbekommen haben: Sie haben einem, dem ersten Augenschein nach, „langweiligen“ Produkt durch Social Media eine interessante und liebenswerte Persönlichkeit verliehen und es damit geschafft, wieder ins Gespräch zu kommen. Weiter so, Frau Walther! Die Runde geht klar an Sie!

Diskussion

  1. Kirstin sagt:

    Lieber Christoph, vielen lieben Dank für diesen Eintrag. Ich wollte nämlich wirklich gerade einen Tweet posten, ob mir irgendjemand was nettes schreiben kann, weil ich grad an Selbstzweifeln zugrunde gehe (passiert temporär ab und zu). Aber das Problem hast Du hiermit gelöst. Nicht, daß es immer helfen würde, wenn man gesagt bekommt, daß man gut kommuniziert um Säfte an den Mann zu bringen, sondern daß man natürlich ein Mensch ist, mit allumfassenden guten und schlechten Eigenschaften, den auch andere Dinge beschäftigen (müssen). Wie das Leben halt so ist. DANKE dafür!

    Im Moment bauen wir gerade einen völlig neuen Internetauftritt, weil die Jahre des Ausprobierens dazu führten, daß der alte Auftritt so viele Inseln hat. Aber die neue Seite wird der Hammer und ich hoffe, daß dann nochmehr passiert. Also an Dialog meine ich, denn das ist mir das Wichtigste. Ich werde oft gefragt, warum ich meine Zeit “verschwende” mit soviel Kommunikation und dann auch noch persönlich und nicht delegiert. Und ich kann es nur immer wiederholen: Wenn unsere Kunden nicht mit uns gesprochen hätten, offline und online, dann gäbe es uns vermutlich nicht mehr. Denn die Kunden und Fans haben uns die Saftbox gebracht, die inzwischen über 70 % unseres seit 2004 verdreifachten Umsatzes ausmacht. Und es waren auch Kunden, die uns darüber aufklärten, was eigentlich alles so in der Aroniabeere steckt – kurz bevor wir diesen Saft aus dem Sortiment nehmen wollten, weil unbedeutend.

    Und das ist der Grund, warum ich auf die Frage, daß das doch alles zu viel Zeit kostet, immer antworte: Es ist Zeit mit Kunden, Fans und Freunden und was sollte wichtiger sein??? Und außerdem hab ich – unabhängig von geschäftlichen Belangen – über diese Kanäle die wunderbarsten Menschen kennenlernen dürfen.

    Noch ein Wort zu Granini: Ich glaube nicht, daß man so direkt vergleichen kann. Wir sind superklein und Granini ist supergroß. Wir sind eine unbekannte Marke – Granini ist vielleicht die bekannteste Saftmarke in Deutschland. Wir forcieren das Direktgeschäft zum Endkunden – Granini muß meiner Meinung nach vorwiegend Einkäufer von großen Ketten überzeugen. Somit sind die Strategien und Bedürfnisse auch völlig verschiedene denke ich und vorallem sollte man nicht von “Krieg” sprechen. Denn den gibt es überhaupt nicht. Unser Geschäft tangiert Granini nicht und umgekehrt. Also alles in Ordnung.

    Ich könnte mir natürlich vorstellen, daß viele Granini-Trinker sich freuen würden, über die neuen Kanäle mit diesem Unternehmen kommunizieren zu dürfen. Außerdem – und darauf bin ich ziemlich neidisch ehrlich gesagt, weil ich so etwas ähnliches später auch machen wollte – gibt es eine Super-Social-Media-Sache von hohesC. Die finde ich Klasse! Schau mal hier: http://www.heimischefruechte.de/ Einfach nur megacool. :-)

  2. Christoph Magnussen sagt:

    Hallo Kirstin,

    danke Dir für Dein Feedback und die zusätzlichen Infos. Ich glaube die Zeit in die Kommunikation mit dem Kunden ist absolut richtig investiert. Menschen sind vor allem anderen Menschen gegenüber loyal und nicht zwingend Marken. So gibt es ja eben auch viele Gründer, die ihre Firmen nach sich selbst genannt haben – das ist eigentlich der beste Weg. Daher bin ich der Meinung, dass sich die Arbeit bei Euch lohnt, wie man ja an der Umsatzverteilung bei Dir sehen kann.

    Klar, unser “Krieg” ist natürlich auf den Social Media Bereich beschränkt und vor allem auf David vs. Goliath ausgerichtet. Aber genau das finde ich spannen: Kreativität hat nichts mit mehr Budget zu tun – im Gegenteil. Die besten Ideen hat man doch immer, wenn die Ressourcen knapp sind.

    Danke Dir und viele Grüße nach Arnsdorf

  3. [...] Bensien warf sich mutig mit ins Kommentar-Getümmel. Dann war da noch der Blogbeitrag “Granini vs. Walter’s” (unter der martialischen Überschrift Krieg der Marken), auf den die von mir sehr [...]

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